Geburts-Matrizen

 Der Begriff der perinatalen  Matrizen geht auf den tschechisch-amerikanischen Psychiater Stanislav Grov zurück. Bei Experimenten mit LSD bzw. intensivierter Atmung schilderten PatientInnen immer wieder ähnliche Erlebnisse, die Grov dann mit der Geburt in Zusammenhang brachte.

Die Eltern können zwar die Geburt optimal gestalten, sie haben aber keinen Einfluss darauf, wie das Kind die Geburt selbst erlebt und verarbeitet. Es geht also nicht um Schuld oder „Versagen“ der Eltern. Das Ungeborene „inszeniert“ in einer gewissen Weise die Geburt selbst, um Erfahrungen zu sammeln und Werkzeuge zu schmieden, die es für sein Erdenleben benötigt.

Die Matrizen bilden einen Raster, in welchen der Mensch spätere Erlebnisse „einordnet“ und diese dann entsprechend interpretiert.


Erste perinatale Matrix

Sie beschreibt die Erlebnisse des Ungeborenen während der Schwangerschaft. Das neue Wesen ist innerhalb der Gebärmutter in symbiotischer Einheit mit dem mütterlichen Organismus. Die Lebensbedingungen sind annähernd ideal, erst gegen Ende der Schwangerschaft wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und auch die Versorgung mit Nährstoffen.

Das Erleben des Ungeborenen ist geprägt durch Erfahrungen von Grenzenlosigkeit, Schwerelosigkeit, Schweben. Wichtige Aspekte sind Gefühle von Schutz und Geborgenheit, von Verbundenheit mit dem All bzw. dem göttlichen Ursprung und von bedingungsloser Liebe. Im besten Fall gibt keine Spannungen, keine Unlust, nur Frieden und Zufriedenheit.

Zuerst sind wir im Paradies

 Dieses Erleben kann stark beeinträchtigt werden. Auch wenn der Mensch aus physiologischer Sicht zuerst einmal als „Zellhaufen“ existiert, nimmt er schon Informationen seiner nächsten Umgebung wahr. Die Gefühle und Gedanken der Mutter, die Atmosphäre der mütterlichen Umgebung wirken auf die junge Seele. Das Kind nimmt auch alle Stoffe auf, die die Mutter zu sich nimmt: Nahrung, Genussmittel, Medikamente. Bezogen auf die Kleinheit des Organismus, wirken viele Substanzen weitaus stärker als für die Mutter, Alkohol zB oder Zigaretten. Werden hier Zellen, aus welchen sich später Organe und Gewebe entwickeln, geschädigt, so können diese Organe und Gewebe in ihrer späteren Entwicklung beeinträchtigt sein.

Zweite Matrix

Eine komplexe Kaskade von hormonellen Botschaften, die vom Ungeborenen ausgeht,  löst den Beginn der Geburt aus. Die Gebärmutter zieht sich zusammen, die Wehen beginnen. Der Muttermund ist noch geschlossen. Das Ungeborene erlebt immer stärkere Beengung und Druck, es fühlt sich an wie ein Angriff auf sein Leben.

Die Wehen können dem Kind „höllische“ Schmerzen bereiten

Der kleine Körper ist nie zuvor gekannten Schmerzen ausgesetzt, Zeit scheint sich ins Unendliche zu dehnen, ein Ende oder Ausweg ist noch nicht in Sicht. Gefühle von Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung oder Schuld sind Aspekte dieser Matrix. Symbolisch ist es der Abstieg des Helden in die Unterwelt, der Verlust des Paradieses, die „Hölle“.

Je besser die Beziehung des Kindes zur Mutter ist, desto vertrauensvoller kann es sich diesen Belastungen hingeben und sie durchstehen. Diese Ur-Erfahrungen sind  notwendig, damit unsere Seele die Fähigkeit und das Vertrauen gewinnt, um in ähnlichen, ausweglos scheinenden Situationen gut reagieren zu können.

 

Es geht auch anders ...

Das gerade geschilderte Geschehen ist typisch für die Geburt von Kindern in "zivilisierten" Gesellschaften. Hier ist von Anbeginn der Druck auf die Eltern recht hoch. Wenn den Müttern schon zu Beginn der Schwangerschaft gesagt wird, dass das Gebären Schmerzen bereitet, werden diese meist zuverlässig eintreten.

Ist die Mutter aber entspannt und kann sie sich dem Fluss der Geburt gelassen hingeben, werden aus den Wehen Wellen, die ihren Körper durchfluten. In der angemessenen Zeit werden die jeweils richtigen Botenstoffe ausgeschüttet, sodass die Geburt fast schmerzfrei und jedenfalls lustvoll erlebt weren kann. Für Mutter und Kind!

 

Dennoch erlebt das Kind diese Phase seiner Geburt als plan- und orientierungslos. Es kann sich aber im Gleichklang mit der Mutter dem Geschehen vertrauensvoll hingeben und mutig die nächste Phase erwarten.

Dritte perinatale Matrix

Beim Fortschreiten des Geburtsvorganges wird das Baby weiter Richtung Beckenausgang gepresst. Der Muttermund erweitert sich und eine Richtung des Geschehens wird erkennbar. Das Erleben ist bestimmt durch starken mechanischen Druck, welcher starke Reibung und Deformation auslöst, Sauerstoffmangel, und damit ein Kampf um das Überleben.

Für das Baby ist dies eine Phase überwältigender neuer Sinneseindrücke, die sich tief in Körper und Seele einprägen.

Geburt kann auch wie ein sexueller Höhepunkt erlebt werden

Können sich Mutter und Kind ganz dem Geschehen hingeben, wird auch diese Phase als möglicherweise anstrengend, aber beglückend erlebt. Das Bindungshormon Oxytocin wird in großen Mengen ausgeschüttet und führt zu extatischem Erleben. Es ist ähnlich wie bei einer großen Bergtour: wir plagen uns und geben unser Letztes, um dann glücklich den Gipfel zu erreichen.

Die vierte Matrix

Das Kind gelangt nun durch den Geburtskanal in die Aussenwelt: Zuerst der Kopf, dann der Rest des kleinen Körpers. Auf extreme Kontraktion und Reibung (und Erregung) erfolgt Entspannung und Ruhe.

Alle physiologischen Aktivitäten, die von einem Spannungszustand in die Entspannung geraten, sind mit dieser Phase der Geburt verbunden: Aufnahme und Wiedergabe von Nahrung bzw. Ausscheidungen und die Erreichung des sexuellen Höhepunktes.

 

Auf der seelischen Ebene entspricht diese Phase einem Tod- und Wiedergeburts-Erlebnis. Der Mensch muss durch den „Tod“, bei dem alle früheren Bezugspunkte und Sicherheiten zerstört werden, hindurchgehen. Dann erfolgt die tiefe Befreiung und Erlösung, auch „Erleuchtung“ und Neubeginn.
Das passende Symbol für den Übergang zur vierten perinatalen Matrix ist der Vogel Phönix, der zu Asche verbrennt, um, sich dann neugeboren daraus zu erheben.

Geburt ist das erste große Erfolgserlebnis

Symbolisch gesehen ist dies das Ende des Helden auf seiner Reise von der Unterwelt in die Oberwelt. Er hat alle Aufgaben bestanden und darf den Lohn erhalten - seelische Reife und Angenommensein in der Welt.

Äußere Einflussnahmen auf den Geburtsvorgang, wie Medikamente, Glocke oder Zange, Erstickungsängste wegen Umschlingung durch die Nabelschnur, frühes Abnabeln etc. werden in die archaischen Erlebnismuster eingebaut. Diese Muster können zB bei schweren Erkrankungen, schwierigen Lebenssituationen, Unfällen etc. aktiviert werden und dienen als Vorlage für den Heilungs-und Genesungsprozess.